Von Domschätzen und Zaubersprüchen

Im Urlaub sollte man ja nicht nur faul rumliegen, sondern im Idealfall auch Neues entdecken und ein bisschen Kultur schnuppern. Das jedenfalls ist unsere Maxime 😉
Und so fiel uns auf, dass der Harz und Sachsen-Anhalt auf unserer persönlichen Landkarte sozusagen noch weiße Flecken waren. Also machten wir uns auf, um Domschätze zu bestaunen und den Merseburger Zaubersprüchen, bekannt von In Extremo <klick>, zu begegnen. Wir ließen uns treiben, um viel von Land und Leuten zu sehen. Viele Foto entstanden, von großen und kleinen Dingen, die uns begegneten und gefielen.
Viel Spaß beim Anschauen, und vielleicht auch neugierig werden auf die Orte, die vor unserer Haustür liegen.

Thale und das Bodetal
Zum Entspannen und „Herunterkommen“ suchten wir uns viel Grün. In Thale überwanden wir unsere Höhenangst und bestiegen die Seilbahn zum Hexentanzplatz. Unser Mut reichte soweit, dass wir sogar eine Kabine mit Glasboden nahmen. Wunderschön war der Blick über das Tal und die Berge. Vom Hexentanzplatz selbst waren wir ein bisschen enttäuscht, so viele Buden mit Kitsch schrecken schon ganz schön ab. Der Blick zur Roßtrappe und ins Bodetal entschädigte für den bunten Rummel. Mit einer kleinen Runde Schierker Feuerstein stießen wir auf unseren Urlaub an und beschlossen, wieder hinunter zu fahren und durch das Tal der Bode zu wandern, zur „Königsruh“, einem der schönsten Biergärten Deutschlands. Der kühle Grund, das Plätschern des Wassers, das war Erholung pur. Im „Königsruh“ gab es leckere Forelle, und gestärkt wanderten wir bis zum Bodekessel weiter.

Höhlenwohnungen in Langenstein
Auf dem Weg von Thale nach Halberstadt machte ein Schild auf  „Höhlenwohnungen“ <klick> aufmerksam. Das interessierte uns natürlich. Wir waren überrascht, dass bis etwa 1910 tatsächlich Menschen in diesen Höhlen gelebt haben. Ein Einwohner erzählte uns viel darüber, und wir konnten die kargen Räume, die von einem Förderverein wieder hergestellt und gepflegt werden, besichtigen. Beklemmend war der Gedanke schon, dass es für die Tagelöhner keine andere Möglichkeit einer Wohnung gab und sie sich ihre Wohnräume mühevoll aus den Felsen schlagen mussten. Kein Mensch weiß bis heute genau, wer dort gelebt hat, wie lange, und ob diese Art der Unterkunft nicht für Krankheiten und einen frühen Tod gesorgt hat. Es gab nur eine Feuerstelle in der Küche, der Rauch zog über ein Loch in der Decke ab. Einen Bericht darüber findet ihr auch nochmal hier <klick>.

Halberstadt
Der Halberstädter Dom lockte uns, neben den berühmten Würstchen. Man merkt Halberstadt an, dass im zweiten Weltkrieg mehr als 80 Prozent der Stadt zerstört wurden. Zum Glück gelang und gelingt es, viele der vorhandenen Häuser zu erhalten.
Bummelnd erkundeten wir die Stadt. Den Vormittag nutzten wir zu einem Ausflug in die Spiegelsberge <klick>. Den Landschaftspark schmücken vielfältige Parkarchitekturen, wie die Eremitage (1772) zur beschaulichen Besinnung, das Belvedere (1782) als Aussichtsturm und das Mausoleum (1783). Auf dem Bergkamm wurde 1780/82 das Jagdschloss erbaut. Auch das älteste erhaltene Riesenweinfass der Welt gibt es hier zu sehen.

Im wunderschönen, mächtigen Dom sahen wir uns einen Film zur Geschichte an, erfuhren von der Rettung des Domschatzes kurz vor der Bombardierung und bewunderten, wie die riesige Kirche aus den Trümmern wieder aufgebaut wurde. Der Domschatz von Halberstadt, einer der umfangreichsten Kirchenschätze weltweit, war sehr beeindruckend. Nicht nur Gold und Edelsteine, sondern auch viele textile Meisterwerke zeugten vom handwerklichen Können des Mittelalters. Beeindruckend und wirklich sehenswert!
Halberstadt hat noch etwas einmaliges zu bieten, nämlich das längste Musikstück der Welt <klick>. Es wurde von dem amerikanischen Komponisten John Cage geschrieben und soll 639 Jahre dauern. Die ehemaligen Burchardi- Klosterkirche wurde extra zu diesem Zweck umgebaut. Etwas beklemmend war es schon, beim gleichbleibenden Orgelton in der spartanischen Kirche zu verweilen, aber interessant und sehenswert auf jeden Fall.
Viele hübsche Ecken gibt es in Halberstadt zu entdecken, wie unsere Fotos zeigen.

Merseburg
Mein Liebster mag die frühen Werke von In Extremo ganz besonders. Ein Grund, auch Merseburg eine Besuch abzustatten. Die berühmten Zaubersprüche <klick> sind hier zu finden, touristisch genutzt überall in der Stadt und in der Domstiftsbibliothek. Dort kann man den althochdeutschen Worten lauschen und die alten Buchstaben bewundern, die einen Lösezauber und einen Heilungszauber versprechen. Der Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius ist eines der herausragenden Baudenkmäler der an der Straße der Romanik. Mich haben besonders die vielen verschiedenen Skulpturen beeindruckt. Vor dem Altar von Lucas Cranach stand ich andächtig und dachte an meine vielen Unterrichtsstunden in Kunstgeschichte zurück…beeindruckend, die alten Meister ganz nah zu sehen!
Auch hier gab es wieder einen sehr gut gemachten Film zu Dom und Stadt, der anschaulich die historischen Hintergründe vermittelte. Eine Fotoausstellung der Werksfotografen von Leuna, die den Aufbau des Chemieriesen dokumentiert hatten, rundete unseren Besuch ab. Der „Domblick“ hielt, was der Name versprach, und wir konnten ein schönes Postkartenfoto mit Spiegelei knippsen.
Unterwegs fiel uns ein Wasserturm auf, der aussah wie eine Kirche. Natürlich gingen wir der Sache auf den Grund. Und siehe da, beides war richtig. Die Kirche St. Sixti <klick>, die seit dem Dreißigjährigen Krieg ungenutzt ist, wurde 1888/89 zu einem Wasserturm umgebaut.
Nach soviel Wissen, was auf uns einbrandete, fuhren wir zu einem entspannten Sonnenuntergang an den Geiseltalsee, dem größten ab 2003 künstlich hergestellten See in Deutschland.

Quedlinburg
Die Stadt, von der uns alle vorgeschwärmt hatten (ja….. unserem Wunsch, nach Merseburg und Halberstadt zu fahren, hatten wir schon manch skeptischen Blick gefangen), war unser letztes Ziel im Urlaub. Wir starteten optimal an DEM Sonntag schlechthin: In Quedlinburg war Flohmarkt UND Tag des offenen Denkmals. Mit alten Schätzchen ausgestattet, suchten und fanden wir unsere wunderschöne, mitten in der Stadt gelegene Ferienwohnung mit dem Namen „Liebstöckel“ <klick>. Von hier aus stürzten wir uns gleich ins Getümmel, schauten Handwerkern auf die Finger, durften in wunderschöne Privathäuser und auf Baustellen schauen und vertrödelten wunderbare Zeit in den schönen Gassen und Höfen. Auch der „Hölle“ statteten wir einen Besuch ab 😉 Dort gab es die beste Pizza der Stadt, nicht italienisch, sondern ein bisschen an die Pizza erinnernd, die es vor etwa 30 Jahren im Osten unserer Republik gab. Wir hatten das schon ganz vergessen. Am nächsten Tag setzten wir unsere Stadterkundung fort. Uns gefielen die vielen verschiedenen Lädchen, Restaurants und Cafés, keine Ketten, sondern alles kleine, individuelle Sachen. Besonders gefallen hat uns die Kaffeerösterei SAMOCCA <klick>. Hier gibt es in individueller Atmosphäre leckeren Kaffee und nette Speisen und Getränke. Das Besondere ist es, dass behinderte Menschen hier einen Arbeitsplatz gefunden haben und mit einem interessanten Bestell- und Bezahlsystem die Gäste auf ihre Art bedienen können.
Bis zum späten Abend fanden wir immer neue Ecken und Winkel, und im Dunkeln kosteten wir noch das berühmte „Puparschknallbier“ <klick>.
Dann kam auch schon der letzte Tag unseres Aufenthaltes. Den nutzten wir, um uns die Welterbe-Stadt noch einmal von oben anzusehen. Zuerst steigen wir auf den Sternkiekerturm, den höchsten Aussichtsturm von Quedlinburg. Dort hatten wir einen guten Aus- und Überblick. Dann wartete ja noch der letzte Domschatz in unserer Wunschliste auf unseren Besuch. Wir stiegen hinauf zur Stiftskirche St. Servatii und bekamen Skulpturen, Tafelmalereien, einzigartige Goldschmiedearbeiten, Elfenbeinschnitzereien und Werke der  Kristallschneidekunst zu sehen. Die Kirche selbst beeindruckte durch die schlichten romanischen Formen. Mit einem Bummel durch den Garten des Schlosses war unser Besuch in der wunderschönen Stadt beendet.
Wir kommen wieder 🙂

Übrigens, diesmal sind die Fotos nicht nur von mir gemacht worden. Auch mein Liebster war sehr fleißig!
Viel Spaß beim Anschauen!

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